 Bewegung. Basis allen Lebens
Vorwort von Detlev Drenckhahn Alle Materie und alles Leben besteht, in die kleinsten Teile
zerlegt, aus leblos geltenden Bausteinen, den Atomen. Diese
haben sich vor einer Milliarde Jahren zu komplizierten chemischen
Verbindungen und hoch komplexen partikulären Strukturen
vereinigt, den Zellen. So entstanden die kleinsten autonomen
Lebenseinheiten des Planeten mit der Fähigkeit zu eigenständigen
Bewegungsäußerungen und damit, eng verbunden,
zur Vermehrung durch Duplikation. “Bewegung ist Leben“ sagte
Leonardo Da Vinci vor mehr als 500 Jahren und auch in der
Schöpfungsgeschichte sind Bewegungserscheinungen ein
herausragendes Zeichen allen Lebens: „Es wimmele das
Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen
auf Erden unter der Feste des Himmels“.
Das vorliegende Buch veranschaulicht mit eindruckvollen
Bildern und Texten, dass Bewegung das Fluidum allen Daseins
ist: Pflanzen, Tiere und der Mensch bewegen sich, die Erde
bewegt sich als Ganzes, und Erdmantel, Meere, Flüsse,
Luft und Wolken bewegen sich, angetrieben durch Sonnenstrahlung,
Mondanziehung und Magmaströmungen im Erdinneren.
Die Grenzen der Trennung der Erde in eine biotische Lebenssphäre
und eine abiotische, leblose Sphäre sind unscharf: Wasserkreisläufe,
Niederschläge und Luftströmungen der Erde werden
ganz wesentlich durch die ungeheure Kapazität der Wälder
zur Verdunstung beeinflusst und maßgeblich auch durch
Bakterien in der Luft gesteuert, die die Regentropfenbildung
fördern. Alle natürlichen Bewegungsabläufe
sind Ausdruck eines Spannungsgefälles zwischen Ordnung
und Chaos. Sie sind deshalb hoch komplex und sorgen ihrerseits
für Komplexität an Lebensräumen und Artenvielfalt,
wie ein sich schlängelnder Fluss mit seinem bunten Nebeneinander
an steilen Prallhängen, flachen Ausgleichufern, Überschwemmungsgebieten
und Schotterbänken.
Die Schönheit des Planeten mit seiner in diesem Buch
so eindrucksvoll dargestellten Vielfalt und Ästhetik
an Bewegungsäußerungen reicht von der Zirkulation
des Packeises um die Pole, der Geburt einer Insel, den Wanderungen
von Tierherden zu ihren Weidegründen, dem Spielen von
Kindern bis hin zu den perfektionierten Bewegungsformen von
Sportlern und Tänzern. Alles dies ist in paradoxer Weise
durch den unbändigen Wunsch von uns Menschen nach immer
höherer Geschwindigkeit der Fortbewegung und Mobilität
der Gesellschaft gefährdet. Es ist nicht nur das dichte
Netz an betonerstarrten Verkehrswegen, welches die Natur
zerschneidet und der Tierwelt die erforderlichen Bewegungsräume
raubt, sondern es ist vor allem der durch ungezügelten
Verbrauch von fossiler Energie verursachte Klimawandel, der
die biologische Vielfalt und damit auch das Überleben
der Menschheit bedroht.
Bald werden die majestätisch zirkulierenden Packeisfelder
der Pole und viele andere der geschilderten faszinierenden
Phänomene der Bewegung auf unserem Planeten verschwunden
sein, wenn wir Menschen jetzt nicht sofort handeln und Bewegungsenergie
der Erde wie Wind, Gezeiten und Sonnenthermik als erneuerbare
Energiequellen nutzen.
Prof. Detlev .Drenckhahn
Präsident WWF Deutschland
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